Was ist HTTP/3 bzw. HTTP over QUIC oder kurz QUIC?

Die meisten wissen noch nicht einmal, was HTTP/2 eigentlich ist, geschweige denn, dass es überall eingesetzt wird, da bahnt sich schon der Nachfolger an, genannt HTTP/3. Vor ein paar Jahren hat Google sich mit der Optimierung der Kommunikation im Internet beschäftigen. Früher ging daraus SPDY hervor, aus dem schließlich HTTP/2 hervorging. Das nächste Entwicklungs-Projekt aus dem Google-Labor hört nun auf den Namen QUIC – was ausgesprochen für Quick UDP Internet Connections steht.

Das Schichten-Modell

Bevor man das ganze verstehen kann, möchte ich ganz grob noch mal auf eine wichtige Grundlage eingehen, dem OSI-Schichten-Modell. Das klingt kompliziert, ist es auch. Es reicht allerdings völlig aus, wenn man das Prinzip dahinter versteht: Die Webseite, die dir dein Browser hier anzeigt, kommt aus dem Netzwerk-Kabel in deinem Laptop (oder über dein WLAN…). Das sind allerdings nur ein paar elektronische Signale, die dein Browser so sicher nicht verstehen kann. Dieses ziemlich einfache elektronische Signal muss deshalb erst auf verschiedenen Stufen bzw. Schichten verarbeitet werden, bis daraus das berühmte HTML extrahiert wird, mit dem auch dein Browser arbeiten kann.

Das OSI-Schichten-Modell besteht aus 7 dieser Schichten. Die ersten 6 Schichten dürften dich nicht weiter interessieren, die ursprünglich elektronischen Daten werden hier nach immer weiter “ausgepackt”. Dabei werden immer mehr Informationen und Daten extrahiert und an die darüber liegende Schicht weitergegeben. Jede Schicht erfüllt so eine spezielle Aufgabe, angefangen bei der eigentlichen physikalischen Übertragung, über die Qualitätssicherung bis hin zur Darstellung in einer Anwendung, wie dem Browser.

Genau das passiert in der 7. Schicht, über die der HTML-Code für deinen Browser zur Verfügung gestellt wird. Eine dieser Schichten nun, nämlich die 4., ist für den Transport zuständig. Dort wird u.a. das schon ziemlich in die Jahre gekommene TCP – Transmission Control Protokoll – eingesetzt. Eine Alternative dazu ist UDP, das etwas schneller aber auch ungesichert funktioniert. Soviel zu den langweiligen und verzwickten technischen Einzelheiten.

QUIC

Google hat nun auf Basis von UDP ein eigenes Protokoll für diese Schicht entwickelt: QUIC. QUIC kombiniert, ganz stark reduziert, die Vorteile von TLS, HTTP/2, TCP und UDP und bietet so z.B. schnelle, verschlüsselte Verbindungen an. Google nutzt QUIC bereits seit 2013 auf den eigenen Servern, seit Version 29 versteht auch der hauseigene Browser Chrome QUIC. Sogar Opera soll QUIC seit Version 16 unterstützen. Die Entwicklung steckt also lange nicht mehr in den Kinderschuhen.

HTTP over QUIC

Mit HTTP hat das ganze freilich noch nicht viel zu tun, denn das liegt ja eine Schicht weiter oben. Die Internet Engineering Task Force hat sich aus diesem Grund in zwei Arbeitsgruppen mit QUIC beschäftigt. Daraus entstand einerseits eine standardisierte Fassung von QUIC, die inoffiziell den namen iQUIC trägt, als Abgrenzung zur inoffiziellen Bezeichnung gQUIC für Googles Original-Protokoll.

Und außerdem arbeitet man am neuesten HTTP-Standard, HTTP over QUIC, bzw. HTTP/QUIC oder ganz offiziell: HTTP/3. Diese Entkopplung ermöglicht jetzt, dass neben HTTP auch andere Protokolle der oberen Anwendungsschicht, wie z.B. E-Mail, QUIC nutzen können.

Laut Cloudfare soll noch dieses Jahr ein finaler offzieller Standard zu QUIC verabschiedet werden. Da aber wie gesagt HTTP/2 eher noch ein Exot zu sein scheint, wird es vermutlich noch eine Weile dauern, bis HTTP/3 entsprechend weit verbreitet ist.

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